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Wissenswertes

 

 

1. Beschreibung

 

Domestizierte Kanarienvögel (Serinus canaria forma domestica) gehören zur Familie der Finken. Sie werden etwa 11 bis 15 cm groß, sind ca. 15 bis 25 g schwer und haben eine Lebenserwartung von ca. 10 bis 15 Jahren. Der Schnabel ist kurz und kräftig. Der Kanarienvogel besitzt relativ dünne Beine mit vier Krallen. Um sicheren Halt auf Ästen und Zweigen zu finden, sind drei Krallen nach vorn und eine Kralle nach hinten angeordnet.

Kanarienvögel ernähren sich überwiegend von Körnern, wobei frisches Grünfutter und Obst auch gern angenommen werden.

Äußerlich sind Hahn und Henne kaum voneinander zu unterscheiden. Bei älteren Tieren sind die Geschlechter an der Form der Kloakenöffnung erkennbar. Während die Henne eine eher rundliche Öffnung hat, besitzt der Hahn eine zapfenförmige Kloakenauswölbung. Da Kanarienhähne oft mit ihren Gesangeskünsten glänzen und Kanarienhennen wenn überhaupt nur wenig und leise singen, ist dies ein gutes Unterscheidungsmerkmal zur Geschlechterbestimmung.  

Zu Beginn der Brutzeit legt die Kanarienhenne meist in den Morgenstunden täglich ein Ei in ein offenes Nest. Manchmal wird auch ein Tag pausiert. Ein normales Gelege besteht aus 4 bis 5 Eiern, wobei auch Gelege von 3 bis 6 Eiern möglich sind. Die gesamte Brutzeit für ein Gelege beträgt 13 bis 14 Tage.

 

 

2. Abstammung

 

Unser heutiger domestizierter Kanarienvogel stammt ursprünglich vom Kanarengirlitz (Serinus Canaria) ab, welcher auf den Kanarischen Inseln beheimatet ist. Vor etwa 500 Jahren begannen spanische Mönche die Kanarengirlitze ihres schönen Gesanges wegen zu züchten und weiter zu verbreiten. Hieraus entstanden auch die ersten Farbkanarien. Durch Einkreuzung des Feuerzeisigs entwickelten sich die roten Farbmutationen des Kanarienvogels.

Bergleute nutzten früher die Kanarienvögel als Frühwarnsystem in ihren Stollen, da diese empfindlich auf ausströmende Gase reagierten. Durch gezielte Züchtung gelang es ihnen den Gesang des Kanarienvogels weiter zu verbessern. Bis heute ist der Kanarienvogel das einzige Haustier bei dem es dem Menschen gelungen ist die Stimme maßgeblich zu verändern.

Man unterscheidet heute zwischen Farb-, Positur- und Gesangskanarien.

 

 

3. Anschaffung

 

3.1. Vorkehrungen

 

Bevor man sich erstmals einen Kanarienvogel kauft, sollten einige Vorkehrungen getroffen werden. Es muss ein ausreichend großer Käfig vorhanden sein, wobei nicht die Höhe sondern die Breite bzw. Länge des Käfigs wichtig ist, damit der Vogel möglichst viel Platz zum Fliegen hat. Für einen einzelnen Kanarienvogel ist ein mindestens B/H/T = 60x40x40 cm großer Käfig einzuplanen. Bei einem Kanarienpärchen ist ein mindestens B/H/T = 80x40x40 cm  großer Käfig vorzusehen. Der Käfig sollte an einem möglichst hellen Standort, jedoch ohne direkte Sonneneinstrahlung und ohne Zugluft platziert werden. Die Sitzstangen sollten aus Holz mit unterschiedlichen Durchmessern sein, damit die Krallen und Gelenke in unterschiedlichen Positionen belastet werden und sich somit nicht einseitig abnutzen. Weiterhin muss täglich frisches Wasser bereitgestellt werden. Als Ergänzung zum Körnerfutter sollten alle paar Tage frisches Obst, Gemüse und Kräuter angeboten werden. Auch eine Bademöglichkeit sollte vorhanden sein, wobei diese nur zeitweise angeboten werden darf, damit der Vogel nicht ständig aus dem verschmutzten Badewasser trinkt. Zur Kalkversorgung kann eine Sepiaschale im Käfig angebracht werden. Weiterhin wird Grit benötigt, da die Vögel kleine Kiesel aufnehmen, die im Magen beim Zerkleinern der Körner helfen. Auch sollte im Vorfeld geklärt sein, wo und bei wem der Vogel während der Urlaubszeit untergebracht werden kann.

 

3.2. Kauf

 

Die beste Zeit sich einen Kanarienvogel anzuschaffen ist im Herbst oder Winter, da die Vögel in dieser Zeit nicht mit der Brut, der Aufzucht der Jungen oder der Mauser beschäftigt sind.

Beim Kauf des Vogels ist auf dessen Gesundheit und Vitalität zu achten. Am Besten kann man dies feststellen, wenn man zunächst einigen Abstand zum Käfig hält, um den Vogel nicht zu verängstigen und somit sein natürliches Verhalten zu beobachten. Sitzt er nur aufgeplustert da oder schläft er tagsüber, können dies Anzeichen einer Krankheit sein. Der dunkle Teil des Vogelkotes sollte eher fest und der helle Teil eher flüssig sein. Das Federkleid sollte keine größeren Lücken aufweisen, nicht struppig wirken sondern glatt am Körper anliegen. Auch die Hornschuppen an den Füßen des Kanarienvogels sollten glatt anliegen. Bei einem Jungvogel sind diese noch rosa gefärbt.

Wenn man sich am Gesang des Vogels erfreuen möchte, sollte man sich ein männliches Exemplar zulegen, da nur die Kanarienhähne ausdauernd singen. Allerdings leben die Tiere gern gesellig, daher wäre eine Paar- oder Gruppenhaltung zu bevorzugen, wenn ausreichend Platz vorhanden ist. Da es unter den Hähnen  besonders während der Brutzeit oft Streitigkeiten gibt, sollten diese nicht zusammen in kleinen Käfigen gehalten werden.

 

3.3. Fußring

 

Zur Alters- und Herkunftsbestimmung des Kanarienvogels kann (falls vorhanden) der Fußring des Züchters genutzt werden.

 

3.3.1. Ringfarbe

 

Da die Ringfarbe jährlich wechselt, ist eine Altersbestimmung relativ leicht möglich.

 

1995 rot 2002  schwaz  2009  violett2016 orange
1996 schwarz 2003  blau  2010  orange2017 blau
1997 silber 2004  gold  2011  blau2018 rot
1998 blau 2005  grün  2012  rot2019 schwarz
1999 gold 2006  rot  2013  schwarz  
2000 grün 2007  schwarz  2014  grün  
2001 dunkelrot 2008  blau  2015 violett  

 

3.3.2. DKB Beschriftung

 

 Verband

Landes-verbands-Nr.

Jahreszahl Lfd.Nr.
DKB 17 12 33
0208 30
 

Vereins-/Züchter-nummer

 Ringgröße

 
  • DKB - Deutscher Kanarien- und Vogelzüchter-Bund e. V.
  • 17 - LV17 Landesverband Berlin-Brandeburg
  • 02 - Vereinsnummer des Kanarien-Club Berlin e. V.
  • 08 - Züchternummer von Maik Reschinsky
  • 12 - Zuchtjahr 2012
  • 30 - Ringröße 3,0mm
  • 33 - Laufende Nummer

 

3.3.3. AZ Beschriftung

 

 

Züchternummer

  Lfd.Nr.
 AZ  12345 11 33 3,0
 Verband

 

 Jahres-

zahl

 

Ring-

größe

 

  • AZ - Vereinigung für Artenschutz, Vogelhaltung und Vogelzucht e.V.
  • 12345 - Züchternummer
  • 11 - Zuchtjahr 2011
  • 33 - Laufende Nummer
  • 3,0 - Ringröße 3,0mm

 

 

4. Fütterung

 

Das Hauptfutter des Kanarienvogels besteht aus Körnerfutter, welches in verschieden Zusammensetzungen im Handel erhältlich ist. Beispielsweise können folgende Sämereinen enthalten sein: Blaumohn, Buchweizen, Haferkerne, Hanf, Japanhirse, Kanariensaat, Leindotter, Leinsaat, Mannahirse, Negersaat, Perilla hell, Salatsamen, Senegalhirse, Sesam, Spitzsaat und Wildsämereien.

Zusätzlich können Kräuter, wie Beifuß, Petersilie, Holunderblüten, Hirtentäschelkraut, Kolbenhirse, Vogelmiere, Schafgarbe, Spitzwegerich oder Löwenzahn gereicht werden.

Auch Obst und Gemüse, wie Apfel, Birne, Brokkoli, Erbsen, Mais, Gurke oder Möhre sind eine gute Bereicherung des Speiseplanes.

Während der Brutsaison wird zur Aufzucht der Jungvögel Eifutter verwendet. Dies ist ebenfalls im Handel als Fertigmischung erhältlich. Wobei es auch leicht selbst aus beispielsweise Zwiebackkrümeln, hartgekochtem Ei, geraspelten Möhren und Mohn hergestellt werden kann.

 

 

5. Zucht

5.1. Zuchtvorbereitung

 

Im Herbst des Vorjahres suche ich mir die Zuchtvögel aus meinem Bestand aus und kaufe - falls notwendig - neue Vögel hinzu. Hierbei achte ich nicht nur auf Färbung, Größe und Statur sondern auch auf die Gesundheit, die zurückliegenden Zuchtergebnisse und den Verwandschaftsgrad der Tiere.
Ab Anfang Februar wird dann die Beleuchtungszeit im Zuchtraum mittels Zeitschaltuhr langsam verlängert, um die Vögel in Brutstimmung zu bringen.

 

5.2. Zusammenstellung der Paare

 

Beim Zusammenstellen der Paare wird zwischen drei Varianten (Heckformen) unterschieden: Gesellschaftshecke, Wechselhecke und Paarhecke.

Bei der Gesellschaftshecke wird ein Hahn mit mehreren Hennen in einem größeren Käfig oder einer Voliere zusammengesetzt. Hierfür benötigt man viel Platz, die Hennen müssen sich untereinander vertragen und der Hahn muss sich um mehrere Hennen und Küken gleichzeitig kümmern.

Nutzt man die Wechselhecke werden zwei bis drei Hennen jeweils einzeln in die Zuchtboxen gesetzt und der Hahn wird nacheinander zu den Hennen hinzugesetzt. Dies funktioniert nur dann optimal, wenn die Hennen nacheinander in Brutstimmung geraten, da der Hahn sie dann nacheinander befliegen kann. Außerdem müssen die Hennen die Küken allein großziehen. Würde man den Hahn zu einem späteren Zeitpunkt zu den Küken hinzusetzen, ist es wahrscheinlich, dass der Hahn die Küken nicht als seine eigenen erkennt, sie versucht zu vertreiben oder sie sogar tötet, damit er die Henne wieder neu befliegen kann.
Ich bevorzuge Paarhecken, da diese den Vorteil haben, dass der Hahn die Jungen mitfüttern kann. Hahn und Henne bleiben also die gesammte Brutphase zusammen.

Hierzu setze ich die Hennen Ende Februar einzeln in die Zuchtboxen. Sie bekommen ein Nest mit einer Nisteinlage und Nistmaterial zur Verfügung gestellt. Wenn die Henne dann anfängt mit dem Nistmaterial das Nest zu bauen, setze ich den Hahn dazu. Verträgt sich das Zuchtpaar, lasse ich die beiden zusammen, ansonsten werden Sie wieder getrennt. Den Hahn setze ich dann abends zur Henne und morgens nehme ich ihn wieder heraus. Dieser Vorgang wird so lange wiederholt bis sich die Tiere aneinander gewöhnt haben und der Hahn mit in der Zuchtbox verbleiben kann.

Die zusammengestellten Zuchtpaare trage ich mit Rasse und Ringnummern in ein Zuchbuch ein. Dieses wird im Verlauf der Zucht mit weiteren Daten, wie Schlupftermin, Rasse und Ringnummern der Küken ergänzt. Somit lassen sich später genauere Erkenntnisse über den Verwandschaftsgrad und die Vererbungseigenschaften der Tiere gewinnen.

 

5.3. Brutbegin

 

Bei der ersten Brut lasse ich die Eier im Nest, da die Henne noch nicht so fest sitzt, könnte sie sich bei einer Eientnahme gestört fühlen und sich nicht wieder auf des Nest setzen. Bei der zweiten und dritten Brut nehme ich die Eier heraus, ersetze diese durch Kunsteier und sammle die Eier bis zum vierten Tag nach dem Legen des ersten Eies. Dann lege ich alle bis dahin gelegten Eier abends in das Nest, um somit das Schlüpfen der Kücken auf den gleichen Zeitpunkt zu setzen. Dadurch sind dann später alle Küken etwa gleich groß. Somit wird kein Küken bei der Fütterung benachteiligt, was für ein gleichmäßiges Wachstum vorteilhaft ist.

 

5.4. Beleuchtung

 

Wichtig ist auch, dass das Licht abends nicht plötzlich ausgeht, da die Henne (zum Trinken oder Essen) eventuell kurz vom Nest gegangen sein könnte und im Dunkeln dann nicht mehr auf das Nest zurückfindet. Für diesen Fall lasse ich immer eine kleine Lampe zehn Minuten länger als die eigentliche Beleuchtung an (hierfür benutze ich eine zweite Zeitschaltuhr). Dadurch wird die Dämmerung simuliert und die Henne kann zum Nest zurückfinden.

 

5.5. Brut

 
Drei bis sieben Tage nach dem Unterlegen der Eier prüfe ich mittels Durchleuchten der Eier, ob diese befruchtet sind. Sollten die Eier nach sieben Tagen nicht befruchtet sein, entnehme ich diese, damit sich die Henne nicht unnötig abmüht. Wenn der natürliche Brutrhythmus der Henne nicht unterbrochen werden soll, sollte die Eientnahme jedoch erst nach 13 Tagen erfolgen. Das Nest entferne ich danach nicht sofort, sondern erst nach zwei bis drei Tagen, damit die Henne sich an die neue Situation gewöhnt, nicht mehr brüten zu müssen und somit selbst vom Nest geht.

Wenn bei mehreren Brutpaaren zum etwa gleichen Zeitpunkt nur jeweils ein oder zwei Eier befruchtet sind, lege ich diese zu einem vollständigen Gelege mit bis zu vier befruchteten Eiern zusammen, da erfahrungsgemäß eine größere Anzahl an Jungvögeln von den Alttieren besser versorgt wird, als nur ein oder zwei Küken.
Circa drei Tage bevor die Jungen schlüpfen, gebe ich dem Brutpaar Eifutter, so dass sie sich an die Futterumstellung gewöhnen können.

Mehr als drei Bruten in einer Zuchtsaison mute ich der Henne nicht zu, so dass sie sich nicht überanstrengt.

 

5.6. Beringung

 

Ab dem fünften oder sechsten Tag nach dem Schlüpfen erfolgt die Beringung, sofern die Jungvögel groß genug sind. An den beiden folgenden Tagen prüfe ich, ob die Henne  den Ring nicht abgezogen hat. In seltenen Fällen kann es passieren das die Henne den Ring inklusive Kücken aus dem Nest befördert, da sie instiktiv versucht, alle Fremdkörper aus dem Nest zu beseitigten. Um dies zu verhindern, kann der Ring beispielsweise durch Überkleben mit einem Pflaster getarnt werden.

 

5.7. Ausfliegen der Jungvögel

 

Kurz vor dem Ausfliegen der Jungtiere, ca. zwei Wochen nach dem Schlüpfen, reinige ich den Käfigboden und die Sitzstangen, damit die Jungtiere keinen Vogelkot oder verdorbenes Eifutter aufnehmen.

Falls die Henne vor dem Ausfliegen der Junvögel schon wieder neu brüten möchte, hänge ich rechtzeitig neues Nistmaterial in die Zuchtbox, damit sie die Jungvögel nicht rupft, um Nitmaterial zu bekommen. Außerdem entnehme ich die Jungen samt Nistmaterial aus dem Nest und setze diese in eine leere Margarinedose auf den Käfigboden. Da der Hahn mit in der Zuchtbox ist, kann dieser die Jungvögel weiter füttern während die Henne schon wieder neu baut.

 

 

5.8. Absetzen der Jungvögel

 

Nach ca. 30 Tagen können die Jungvögel abgesetzt werden. Zuvor achte ich jedoch darauf ob die Jungvögel schon selbständig Futter aufnehmen. Erst dann werden sie in einen separaten Flugkäfig gesetzt.
Ab Juli verkürze ich dann langsam den Beleuchtungszeitraum, um im August die Zucht zu beenden.

 

 

 

6. Gefiederfärbung

 

6.1. Lipochromfaktor

 

Die Grundfarbe (Lipochromfarbe) des Kanarienvogels ist gelb oder rot. Diese kann in verschiedenen Intensitäten auftreten. Eine sehr kräftige Färbung wird als intensiv (A-Vogel) bezeichnet. Hellere Ausfärbungen werden als gelb-ivoor

oder rot-ivoor bezeichnet.

Durch einen weißen Federsaum wirken gelbe oder rote Kanarienvögel ebenfalls etwas heller. Es entsteht der Eindruck eines Schimmelüberzugs, weshalb diese Vögel als Schimmel-Vögel (B-Vogel) bezeichnet werden.

Kanarienvögel bei denen der Lipochromfaktor völlig fehlt, sind komplett weiß.

Weiterhin tritt beim Mosaik-Vogel die Lipochromfarbe nur in bestimmten Arealen an Kopf, Brust und Flügeln auf. Diese Bereiche sind dann gelb oder rot gefärbt, während der Rest des Vogels weiß ist. Hierbei sind die Geschlechter oft gut zu unterscheiden, da beim Kanarien-Hahn die Areale großflächiger ausgeprägt sind. Die geringere Ausprägung der Areale wird als Mosaik TYP I bezeichnet die großflächigere Ausprägung als Mosaik TYP II.

 

6.2. Melaninfaktor

 

Beim Melaninvogel tritt zusätzlich zur Grundfarbe eine Gefiederzeichnung (Strichelung) in schwarz oder braun auf.

Diese Strichelung kann in verschiedenen Breiten auftreten. Eine besonders schmale Strichelung wird beim Schwarzvogel mit achat (verdünnt schwarz) und beim Braunvogel mit isabell (verdünnt braun) bezeichnet.

Diese Ausfärbungen können auch in helleren Varianten vorkommem. Eine dieser Varianten ist der opal-Faktor, bei dem die Melaninareale hellgrau wirken. 

 

6.3. Bezeichnung

 

Beispielsweise wird der hier dargestellte Kanarienvogel als

achat opal gelb ivoor Schimmel

bezeichnet.

  

                • achat - verdünnte Strichelung

                • opal - hellgraue Strichelung

                • gelb - gelbe Grundfarbe

                • ivoor - aufgehelltes Gelb

                • Schimmel - weißer Federrand

 

 

 

 

 

 

7. Vererbung

 

Bei der Zucht von achat opal weiß rezessiven Kanarienvögeln sind die Regeln der dominant/rezessiven Vererbung zu beachten. Das bedeutet: gelb vererbt sich dominant gegenüber weiß.

  

 

rezessive Vererbung
  Henne
Hahn gelb weiß rez. gelb spalt weiß rez.
gelb 100% gelb 100% gelb spalt weiß rez. 50% gelb
50% gelb spalt weiß rez.
weiß rez. 100% gelb spalt weiß rez. 100% weiß rez. 50% gelb spalt weiß rez.
50% weiß rez.
gelb spalt weiß rez. 50% gelb 50% gelb spalt weiß rez. 25% gelb
50% gelb spalt weiß rez.
50% gelb spalt weiß rez. 50% weiß rez.
25% weiß rez.

 

 

Bei der Zucht von achat opal gelb ivoor Kanarienvögeln sind die Regeln der geschlechtsgebundenen Vererbung zu beachten. Der Hahn vererbt die Farbe an die weiblichen Jungevögel weiter.

Somit lässst sich das Geschlecht der Jungvögel oftmals leichter bestimmen: ist der Hahn ivoor oder spalt in ivoor und die Henne gelb, sind alle ivoor-Nachkommen automatisch weiblichen Geschlechts.

Weiterhin können keine Hennen in gelb spalt ivoor entstehen.

 

geschlechtsgebundene Vererbung
  Henne
Hahn gelb ivoor
gelb 50% Hähne gelb 50% Hähne gelb spalt ivoor
50% Hennen gelb 50% Hennen gelb
gelb spalt ivoor 25% Hähne gelb 25% Hähne gelb spalt ivoor
25% gelb spalt ivoor 25% ivoor
25% Hennen gelb 25% Hennen gelb
25% ivoor 25% ivoor
ivoor 50% Hähne gelb spalt ivoor 50% Hähne ivoor
50% Hennen ivoor 50% Hennen ivoor

Weitere Merkmale die geschlechtsgebunden vererbt werden:

- mosaik - schwarz - braun - achat - isabell - satinet - pastell

Die entsprechende Eigenschaft kann einfach anstelle des "ivoor"-Merkmals in die Tabelle eingestzt werden.

 

 

Wenn beide Vererbungsmerkmale gemeinsam bertrachtet werden, könnte auch folgenes Beispiel enstehen:

 

 geschlechtsgebundene + rezessive Vererbung   
  Henne  
 Hahn gelb spalt weiß rez.
 gelb spalt ivoor spalt weiß rez.
 
 
 
 
8,3%Hähnegelb
8,3%Hähnegelb spalt ivoor
8,3%Hähnegelb spalt weiß rez.
8,3%Hähnegelb spalt ivoor spalt weiß rez.
8,3%Hähneweiß rezessiv
8,3%Hähne

weiß rez. spalt ivoor

10%Hennengelb
10%Hennengelb spalt weiß rez.
10%Hennenivoor
10%Hennenivoor spalt weiß rez.
10%Hennenweiß rez.

 

 

8. DKB - Ausstellung

 

Von Ende Oktober bis Januar des Folgejahres finden die Landesverbandsmeisterschaften der einzelnen Landesverbände des Deutschen Kanarien- und Vogelzüchter-Bundes (DKB) statt. In der ersten Januarwoche wird die Deutsche Meisterschaft des DKB ausgetragen.

Bewertet werden vor allem Gesangs-, Farb- und Positurkanarien, aber auch Mischlinge, Cardueliden, Europäer, Sittiche und Exoten. Je nach Art, Rasse und Farbe werden die Vögel in einzelne Schauklassen unterteilt.

 

8.1. Ausstellungskriterien

 

Der Vogel muss in seiner Farbe bzw. Form einer bestimmten Schauklasse zuzuordnen sein. Aus dem Kapitel "Gefiederfärbung - Bezeichnung" wäre dies beispielsweise: achat opal gelb ivoor Schimmel.

Er muss mit einem geschlossenen Ring mit den Daten des ausstellenden Züchters und des aktuelllen Zuchtjahres versehen sein. Folglich sind nur Jungvögel aus der aktuellen Zuchtsaison zur Ausstellung zugelassen. Zusätzliche Ringe und Kennzeichnungen sind nicht erlaubt.

Um jeden Vogel gleich bewerten zu können, werden sie in genormten Ausstellungskäfigen präsentiert. Diese dürfen keine Beschriftungen (z.B.: Züchtername) oder andere äußerlich erkennbare individuelle Kennzeichnungen aufweisen.  

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist natürlich, dass der Vogel gesund ist. Er darf keine Krallenfehler haben und die Krallen dürfen auch nicht beschnitten sein. Es ist verboten den Vogel zu färben.

 

8.2. Bewertungsrichtlinien

 

Bei der Bewertung der Farb- und Positurkanarien wird zwischen der Ausstellung von Einzelvögeln und Kollektionen, auch Stamm genannt, unterschieden. Ein Stamm besteht aus vier Vögeln, die in je einem Ausstellungskäfig präsentiert werden. Diese Vögel müssen der gleichen Schauklasse angehören.

Insgesamt werden maximal 100 Punkte pro Vogel vergeben. Bei einer Kollektion wird zunächst jeder Vogel einzeln bewertet. Weiterhin werden maximal 6 Punkte für die Gleichheit (Harmonie) der Vögel vergeben. Hierbei wird die niedrigste erreichete Punktzahl (z.B.: 89 Pkt.) eines Vogels einer Kollektion von der höchsten erreichten Punktzahl (z.B.: 93 Pkt.) des besten Vogels dieser Kollektion abgezogen (4 Pkt.). Der errechnete Wert wird nun von den maximal erreichbaren 6 Punkten abgezogen (2 Pkt.). Alle Punkte der Vögel einer Kollektion werden zusammengerechnet und die Punkte für die Harmonie hinzuaddiert, dies ergibt die Gesamtpunktzahl einer Kollektion.

 

 

 

9. Vogelkrankheiten

  • Kokizidien
    • Einzeller im Darm
    • erkennbar durch roten Bauch und äußerlich sichtbare Därme
    • durch den Parasitenbefall stinkender Kot (meist während der Zucht)
    • Behandlung mit Baycox oder ESB3
  • Colibakterien
    • Küken sterben mit vollem Kropf im Nest, durch Befall von Bakterien im Darm
    • wegen des Duchfalls der Küken ist das Nest nass
    • Abhilfe: neues trockenes Nest erstellen, ESB3 geben
  • Trichomonaden
    • befallen Kopf und Rachenraum
    • wird über das Trinkwasser übertragen
    • Behandlung Kur mit Ridzol über das Trinkwasser
  • Mycoplasmen
    • Schädigung der Leber bei Nestlingen
    • Schädigung der Atemwege und der Eierstöcke bzw. Eileiter beim Altvogel
    • gut erkennbar durch schwarzen Punkt am Bauch des geschlüpften Vogels
    • wird schon im Ei von der Henne auf den Embryo übertragen
    • Behandlung mit Tylosin
  • Kanarienpocken
    • erkennbar durch schwere röchelnde Atmung beim Vogel
    • in sehr kurzer Zeit stirbt fast der gesamte Bestand
    • Behandlung: vorbeugend durch Impfung
  • Federlinge
    • ernähren sich von den Federn der Vögel
    • erkennbar durch beschädigte Federn
    • Behandlung mit Bollpulver oder Ardap
  • Luftsackmilben
    • Vögel pumpen und pfeifen beim Atmen
    • Behandlung mit Ivomec, vorbeugend mit Frontline
  • Spinnenmilben
    • erkennbare kleine runde Punkte, krabbeln auf die Hand beim Anfassen des Vogels
    • Vögel und Nester können mit Bolvo Hundepuder behandelt werden
  • Nordische Vogelmilben
    • ernähren sich vom Blut des Vogels
    • erkennbare kleine sich bewegende Punkte am Vogel
    • Vogel mit Ivomec oder Frontline behandeln
  • Rote Vogelmilben
    • ernähren sich vom Blut des Vogels
    • erkennbare kleine, sich bewegende rote Punkte an Vogel und Käfig
    • Bekämpfung: Käfig gründlich reinigen und anschließend desinfizieren mit Ardap, Bactazol oder Kieselgur behandeln
    • zusätzlich kann der Vogel mit Ivomec oder Frontline behandelt werden
  • Federballzysten (Lumps)
    • große hautfarbene Kugel am Vogel
    • die wachsende Feder ist zu weich und kann nicht durch die Haut stoßen
    • Austrocknen lassen und warten bis die Kugel von selbst abfällt
    • wenn die Kugel an ungünstiger Stelle sitzt, vom Tierarzt öffnen lassen, damit sie schneller austrocknet
    • entsteht bei falscher Verpaarung (beide Elterntiere zu weiches Gefieder)
  • Schürfwunden
    • Behandlung mit Perusalbe
  • Schuppige Füße
    • Behandlung mit Ringelblumensalbe

 

Farbkanarienzucht.de  | kontakt(at)farbkanarienzucht.de